von Dennis Krüger
Jerusalem im Jahre 33: Mit einem heftigen Stoß rammt der Legionär dem gekreuzigten die Lanze in die Seite. Genau zwischen die 4. und 5. Rippe bohrt sich das Eisen, Blut und Wasser treten aus dem leblosen Körper und besiegeln den Eintritt des Todes.
Südbayern 955: Hoch zu Roß führt der Regent Otto I. seine Truppen gegen den Feind. In seiner Hand nach oben gestreckt befindet sich der Speer, der den Soldaten die Zuversicht für den Sieg schenkt – und tatsächlich bricht hier auf dem Lechfeld im Angesicht der Lanze der Ungarnsturm zusammen.
Wien 1938: Schweigend hebt der Reichskanzler die Lanze aus dem Glas der gesicherten Vitrine. Im Augenblick seines größten innenpolitischen Triumphes, dem Anschluß Österreichs an das Reich, scheint die Lanze, die er 1912 erstmals in der Hofburg zu Gesicht bekam, Symbol für die noch folgenden Triumphe, die sich schließlich 1945 in die Katastrophe wandeln: Den Zusammenbruch…
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