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Am 14. Januar hat Deutschland die Führung der Eingreiftruppe der Nato – „Nato Response Force“ (NRF) – übernommen. Demnach spielt es auch die Hauptrolle bei der Aufstellung im Rahmen der NRF einer „gemeinsamen Kampfgruppe von sehr hohem Bereitschaftsgrad“ – Very High Readiness Joint Task Force (VJTF).

Die letztere  hat bereits den Namen „Speerspitze“ erhalten. Es sei bemerkt, dass man in den USA und deshalb natürlich auch in der Nato überhaupt eine Vorliebe für metaphorische Bezeichnungen von militärischen Auslandseinsätzen und verschiedensten Manövern besitzt. Das gilt auch für die erwähnte „Speerspitze“. Manche Medien in Europa haben in ihren Artikeln und Meldungen über die Aufstellung der superschnellen Kampfgruppen den Ochsen quasi bei den Hörnern gepackt. So brachte die Zeitung „Rheinische Post“ ihren Kommentar zum Thema unter der eindeutigen Überschrift „Das ist die Anti-Putin-Truppe der Nato“.Mit ihrer Überschrift hat die „Rheinische Post“ natürlich kein „militärisches Geheimnis“ preisgegeben. Die Zweckbestimmung der VJTF wurde bereits im vergangenen September beim Nato-Gipfel im britischen Wales festgelegt. Allerdings wirkt die Darstellung der Vorgeschichte ihrer Aufstellung in der erwähnten Zeitung nicht wie die offizielle Chronik des Geschehens, sondern eher wie ein Szenarium für ein Action-Computerspiel. Und zwar als ein Spiel, das mehr darauf aus ist, Kindern einen Schreck einzujagen. Wie die Zeitung schreibt, soll der Anlass für eine solche Entscheidung des Nato-Gipfels die aus dem Munde des russischen Präsidenten ertönten Worte gewesen sein, dass seine Truppen binnen zwei Wochen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew stehen könnten.

Die Tatsache, dass das als Scherz gesagt worden war, und zwar in einem inoffiziellen Gespräch mit dem ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, wurde weder vom Gesprächspartner Wladimir Putins noch von jenen, denen Barroso in Panik – in echter oder gespielter ist unwichtig – diese schreckliche Bedrohung mitgeteilt hatte, berücksichtigt. Um das Gefühl für Humor scheint es in der EU und auch in der Nato offensichtlich schlecht zu stehen, schon ganz zu schweigen von der ethischen Seite der Sache. Wie die Zeitung schreibt, hätten die drei Staaten im Baltikum in Gestalt Litauens, Lettlands und Estlands sofort mit Panik reagiert. Ihre Staatschefs hätten Schutzgarantien von der Allianz verlangt. Putin würde angeblich mit ihnen ebenso verfahren wie mit der Krim und, wie die „Rheinische Post“ schreibt, „zunächst verdeckte Kräfte wie Rockerbanden und Soldaten ohne Hoheitszeichen ansetzen“.Und letztendlich wurde beim Nato-Gipfel in Wales der „Plan für eine erhöhte Einsatzbereitschaft“ beschlossen. Es geht darum, dass die NRF, die 25 000 Militärangehörige zählt, wenig mobil ist. Ihre Entfaltung vor Ort würde mindestens 30 Tage in Anspruch nehmen. Deshalb beschlossen die Teilnehmer des Gipfeltreffens, eine mobile Kampftruppe mit etwa 7 000 Mann aufzustellen, die innerhalb von maximal zwei bis sieben Tagen vor Ort zum Einsatz gebracht werden kann. Das heißt, eben jene „Speerspitze“.

In den offiziellen Dokumenten sieht alles schön aus. Doch bei den Experten und den Militärs tauchten sofort Dutzende Fragen auf. Laut der Russland-Nato-Grundakte, die 1997 in Paris unterzeichnet wurde, hatte sich die Allianz verpflichtet, entlang der Grenzen zu Russland keine Kampfverbände dauerhaft zu stationieren. Demnach werden sich wechselnde Kräfte in Bataillonsstärke in den Ländern befinden, die an dieser „Speerspitze“ teilnehmen und durch Flugzeuge und Hubschrauber reaktionsschnell gemacht werden. Aber der zur Kommandoübergabe ebenfalls nach Münster eingeladene Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 371, Oberstleutnant Stephan Behrenz, meinte befremdet, wie könne er denn seine schweren 44 „Marder“-Schützenpanzer mit jeweils einem Gewicht von etwa 38,5 Tonnen zum Beispiel rechtzeitig ins Baltikum schaffen?Die Militärexpertin der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik, Claudia Major, die das Internet-Portal N-TV zitiert, meint, die Etablierung der „gemeinsamen Kampfgruppe von sehr hoher Bereitschaft“ – der VJTF – erfordere neben allem Übrigen auch eineErhöhung der Wehretats der Nato-Länder, wozu jene nicht bereit seien. Denn die Soldaten dieser „Turbo-Einheit“, wie sie manche Medien getauft haben, „müssten bei diesem Tempo praktisch schon in ihrer Uniform neben ihren Tornistern schlafen. Flugzeuge müssten bereitstehen, Hubschrauber, womöglich auch Züge.“ Deshalb, so meinte Claudia Major,  sei Stoltenberg, der Generalsekretär der Nato, nicht zufällig an dem Tag eingetroffen, an dem das Deutsch-Niederländische Korps das Kommando der NRF übernehme. Das heißt, Stoltenberg sei  „mit der Sammelbüchse“ gekommen, um Berlin einzuladen, den anderen Bündnispartnern ein Beispiel zu geben.

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