Die wirtschaftlichen Differenzen innerhalb der EU lassen sich nicht bald lösen, denn die Interessen der Mitgliedstaaten sind manchmal diametral entgegengesetzt und die Integration ist nicht ausreichend. Das sagen russische Finanzexperten im Hinblick auf Griechenlands Widerstand gegen die Sparmaßnahmen.
Der Streit darum, wie die griechische Schuldenkrise geregelt werden kann, spiegelt Differenzen innerhalb der Europäischen Union wider. Im Gespräch mit der russischen „Nesawissimaja Gaseta“ beschäftigten sich mehrere Finanzexperten mit dem Thema.
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Griechenland: Odysseus-Mission für die EU
Anton Soroko, Analyst der Investmentfirma Finam, sagte dem Blatt: „Das wichtigste Problem ist die nicht vollendete wirtschaftliche Integration der EU. Die monetäre Politik liegt im Kompetenzbereich einer Institution, doch für die Haushalts- und Steuerpolitik sind verschiedene Institutionen zuständig. Dies verursacht langfristige strukturelle Ungleichgewichte.“
Alexej Koslow, Chefanalyst von UFS IC, meinte: „In der gegenwärtigen Situation verfügen die Behörden im Euroraum über eine ziemlich begrenzte Palette von Instrumenten, die in der Lage wären, die EU-Wirtschaft zu stimulieren und neue Wachstums-Impulse zu geben.“
„Die EZB löscht den Brand, indem auf die billige Liquidität setzt und gleichzeitig die Reformen fortsetzt, um die Schuldenlast der Länder der Europäischen Währungsunion zu reduzieren. Doch die Entstehung neuer Arbeitsplätze und die Umsetzung großer Binnenprojekte, die die Wirtschaft ankurbeln und soziale Spannungen abbauen könnten, werden dabei nicht stimuliert“, so Koslow.
Dmitri Kipa, Chefanalyst von QB Finance, sagt, es passiere derzeit nichts Außerordentliches. Denn die EU sei ein staatsübergreifender Zusammenschluss von Ländern, die sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden. Vor diesem Hintergrund sei die EU von vorherein zu einem Interessenkonflikt verurteilt gewesen.
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Wirtschaftsexperte: Griechenland wird auf die Europäische Zentralbank zugehen
Der bei AGT Invest für Investitionen zuständige Manager Dmitri Nuschdenow sagte, die Widersprüche in der EU seien nicht schnell zu lösen: „Zwar könnte man sie mildern, doch dafür wäre ein wesentliches Wachstum der EU-Wirtschaft nötig, das in nächster Zeit kaum zu erwarten ist.“
Neben seinen eigenen Problemen soll Europa nun auch der Ukraine finanziell helfen. Nach Ansicht von Grigori Birg, Analyst der Beratungsfirma Investcafe, sind die Ausmaße dieser Finanzhilfe nicht so groß, um ein kritisches Problem für die EU zu sein. Laut Nuschdenow könnte die Ukraine trotzdem ein „Fass mit löchrigem Boden“ für die EU werden: „Je mehr die Europäische Union die Ukraine unterstützen wird, desto wenige Anhänger wird diese Unterstützung in der EU haben.“
Das Blatt, das die Experten befragte, kommentierte: „Die griechische Meuterei gegen die Gläubiger ist nur eine Erscheinungsform der Widersprüche im Euroraum, dessen Mitgliedsstaaten ganz unterschiedliche Vorstellungen in Bezug auf die Geldpolitik haben. Als größte und erfolgreichste Wirtschaft der Euro-Zone ist Deutschland an einer robusten europäischen Währung und an einer strengen Finanzdisziplin interessiert. Die schwächeren Wirtschaften in Südeuropa haben gegensätzliche Interessen.“
Quelle : http://de.sputniknews.com/zeitungen/20150218/301177511.html