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Die Europäische Zentralbank (EZB) weigert sich, den Leitzins über null Prozent anzuheben. Das kann zur „größten Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit“ und einer schleichenden Enteignung der Bürger führen. Davor warnt der Finanzexperte Marc Friedrich im Sputnik-Interview.

 

Die privaten Bankkunden würden „weiterhin schleichend enteignet“, erklärte Friedrich als eine der Folgen der fortgesetzten EZB-Politik. „Darum geht es im Endeffekt. Die Kosten der Krise werden auf die Bürger und vor allem die Deutschen übertragen. Wir alle zahlen die Zeche – nicht die Krisenverursacher, die Banken, die Notenbanken, die Versicherungen, sondern wir die Bürger. Das muss uns klar sein.“

 

Zu den Folgen gehöre eine weiter abschmelzende Altersvorsorge. Es werde immer mehr Altersarmut in den nächsten zehn, 15, 20 Jahren geben und es werde immer schwieriger, adäquat fürs Alter vorzusorgen. Der Ökonom bezeichnete die Entwicklung als „Wahnsinn – sogar ein Albtraum“. Der komplette Wohlstand von einer ganzen Generation würde so vernichtet. Alles, was die letzten Jahrzehnte aufgebaut wurde, würde jetzt innerhalb von einer Dekade vernichtet. Für Friedrich ist das „fahrlässig und unverantwortlich“.

Mit ihrer Nullzinspolitik will die Europäische Zentralbank (EZB) den Bankrott des Euros und vieler EU- und Euro-Staaten verhindern, erklärte der Bestsellerautor (“Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“). Denn steigende Zinsen würden den südeuropäischen Staaten massive Finanzierungsprobleme bereiten. Viele marode Banken wären eigentlich bankrott. Deswegen gebe es  auch in Zukunft keine massiven Zinserhöhungen mehr. Friedrich betonte:

„Das ist Insolvenzverschleppung, die wir erleben – und zwar eine der größten Insolvenzverschleppungen in der Geschichte der Menschheit. Wir werden noch lange niedrige Zinsen haben und die Negativzinsen werden auch irgendwann auf den normalen Sparer zugreifen.“

 

Sparer werden enteignet

Die Bankkunden würden jetzt auch schon einen Negativzins zahlen, weil viele Banken Kontoführungsgebühren bis zu fünfzehn Euro pro Monat eingeführt haben. Überweisungen kosten Geld, selbst wenn sie online erfolgen, auch Geldabhebungen kosten. Die Gebührenschere werde so immer größer, sieht Friedrich als große Gefahr. Um sich weiter selbst zu finanzieren, würden die Banken parallel bald Negativzinsen auf die Bürger und auf die Sparer übertragen. Der Negativzins den die Banken zahlen müssen, sobald sie Geld bei der EZB hinterlegen, werde natürlich weitergereicht, so wie jedes Unternehmen auch völlig legitim Kosten an seinen Kunden weitergibt.

„Die Sache ist halt nur, dass breite Bevölkerungsschichten dadurch enteignet werden“, so Friedrich, „und irgendwann vor einer ziemlich mickrigen Rente stehen, weil die erhofften Zinserträge nicht da sind. Das wird auch in einem reichen Land wie Deutschland massive Probleme hervorbringen.“

Als Problem sieht der Ökonom auch, dass sich deutsche Sparer momentan noch in Sicherheit wiegen und nicht aktiv werden. In jedem anderen Land hätte es wahrscheinlich schon einen Sturm auf die Banken „oder eine Revolution“ gegeben. Noch gehe es den Deutschen aber zu gut. Dabei wäre es noch nie notwendiger gewesen, sich aktiv um sein Vermögen, sein Geld und seine Konten zu kümmern.

„Die EZB zerstört den Euro“, lautet das Urteil von Friedrich. „Die EZB zerstört das Vertrauen in das Bankensystem. Es ist ein wahnsinniges Notenbankexperiment, was es zuvor noch nie so gab und es entgleitet uns. Wir haben jetzt schon über zwei Billionen Euro nur mit dem Aufkaufprogramm der EZB in die Märkte geschleust – in fragwürdige Unternehmen, in marode Banken, in Staatsanleihen die eigentlich nicht gekauft werden sollten, weil sie pleite sind. Damit hat die EZB ihre eigentliche Aufgabe massiv verfehlt. Das Ganze ist komplett außer Rand und Band.“

 

Menschen müssen den Schaden bezahlen

Das EZB-Experiment werde mit einem enormen Knall scheitern und mit Kollateralschäden, die die Welt noch nicht gesehen habe, sagte der Experte vorher. Die Summe, um die es jetzt gehe, sei viel höher als die Risiken und Gefahren der Krise von 2008. Sein Fazit lautet:

„Das Problem wurde exponentiell erhöht und diesmal wird der Aufschlag definitiv tödlich sein. Wir haben es in unseren Büchern immer wieder erwähnt: Wir müssen die EZB-Politik sofort stoppen, wir müssen den Euro rückwirkend zurückführen und ablegen. Wir müssen nationale Währungen wieder einführen. Wir müssen Schulden erlassen, vor allem in Südeuropa. Wir müssen Banken endlich pleite gehen lassen können.“

Als positives Beispiel nennt Friedrich Island. Dort sei es genauso gemacht worden und den Isländern gehe es besser als je zuvor. Trotzdem glaubt er, dass so etwas nicht geschehen werde. Der Euro werde bis zum bitteren und teuren Ende verteidigt, auch wenn die Chancen auf eine Besserung aussichtslos seien. Den Schaden würden die Menschen in Europa zahlen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch.

Bolle Selke

Marc Friedrich hat im April zusammen mit Matthias Weik und Götz Werner das Buch: „Sonst knallt´s!… Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ im Eichborn Verlag veröffentlicht.

Quelle :

https://de.sputniknews.com/wirtschaft/20170912317404043-ezb-kurz-vor-grosser-krise/

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