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Auf diesen Moment haben sich russische Flugabwehr-Spezialisten 60 Jahre lang vorbereitet, seit der Entwicklung der ersten Flugabwehrraketen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch nie standen russische Truppen vor der gewaltigen Aufgabe, einen echten und derart schweren Raketenschlag abzuwehren, wie den einen, der in Syrien droht.

Der Abschuss einer U-2, des Spionagefliegers der US Air Force, in den 1960er Jahren war ein voller Erfolg der russischen Flugabwehrtruppen. Seitdem war es den Amerikanern unmöglich, ungestraft in den russischen Luftraum einzudringen. Doch wie verhalten sich russische Spezialisten und Systeme bei einem massiven Raketenangriff? Bislang konnten sie ihr Können ja nur bei Tests und Manövern unter Beweis stellen.

Der wahrscheinlich bevorstehende Raketenangriff der Amerikaner in Syrien werde eine wichtige Prüfung sein, sagt der ehemalige Oberbefehlshaber der russischen Flugabwehr, Alexander Gorkow, Generalleutnant a.D.: „Mit der Auswertung dieses Angriffs und dessen Abwehr werden sich die Generalstäbe aller führenden Militärmächte noch lange befassen.“

Die Erfolgsaussichten der russischen Truppen seien ziemlich gut. Der Ex-General rechnet vor: „Wenn es um Marschflugkörper geht, die in niedrigster Höhe ankommen, muss die Wirksamkeit bei mindestens 0,85 bis 0,9 liegen.“

Dieser Wert gibt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Abfangrakete ihr Ziel trifft. Dabei wird die Zahl der vernichteten Ziele durch die Zahl abgefeuerter Abfangraketen geteilt. Die Treffsicherheit eines S-400-Abwehrsystems beträgt demnach 90 Prozent – „hervorragend also“, sagt der Ex-General. Letztlich würden die russischen Flugabwehrtruppen sich eine glatte Zwei verdienen, prognostiziert er.

Bescheidener fällt die Schätzung des Militärexperten Wassili Kaschin vom russischen Zentrum für Strategie- und Technikanalyse aus: „50 bis 60 Prozent aller abgefeuerten US-Raketen zu vernichten, wäre für die russische Armee schon ein gigantischer Erfolg. Aber auch mit 30 Prozent kann man zufrieden sein, wenn man die syrischen Fla-Systeme mitberücksichtigt“, sagt er.

Das Problem: „Die neuen russischen Abwehrsysteme schützen nur die russischen Objekte in Syrien. Die syrische Flugabwehr ist aber für sich genommen sehr schwach. Sie deckt höchstens ein Dutzend besonders wichtiger Einrichtungen ab, der Rest des Landes ist quasi schutzlos“, mahnt der Analyst.

Andererseits werden die bodenbasierten Abwehrsysteme durch zwei russische Fregatten vor der syrischen Küste verstärkt. „Jedes dieser Schiffe hat einen Startsilo für 24 Flugabwehrraketen an Bord“, sagt der Experte.

Menge macht den Unterschied

Setzt der Gegner eine große Zahl von Marschflugkörpern ein, über 200 etwa, seien Erfolgsprognosen schwierig. Eines wisse man aber: „Einen solchen Angriff kann man nicht vollständig abwehren.“

Der Ex-General Gorkow nennt ein Beispiel: „Angenommen wir haben 100 Luftziele. Dann müssen wir zwei Abfangraketen pro Ziel einsetzen. Man braucht also einen sehr üppig ausgestatteten Flugabwehrverband.“

Und es komme auch darauf an, wie viel zeitlichen und technischen Aufwand der Gegner betreiben werde, um die Fla-Stellungen zu neutralisieren. Im Großen und Ganzen sei die Taktik der US-Amerikaner absehbar, sagt ein General aus dem russischen Verteidigungsministerium: „Die erste Angriffswelle der Tomahawks werden höchstwahrscheinlich die beiden Zerstörer abfeuern, die schon im östlichen Mittelmeer stationiert sind. Die könnten die alten Flugkörper verschießen, bevor dann die smarten Raketen kommen, die Präsident Trump versprochen hat.“

Das Ziel sei klar: „Die russischen Flugabwehrstellungen sollen ihre Raketen gegen die alten Tomahawks verballern. Die Amerikaner rechnen damit, nach der ersten Angriffswelle ungestraft von anderen Schiffen aus angreifen zu können, vom Flugzeugträgerverband etwa“, sagt der russische General und meint damit offenbar die Kampfgruppe mit der USS Harry Truman an der Spitze, die vor Kurzem in Richtung des Persischen Golfs aufgebrochen ist.

Quelle :

https://de.sputniknews.com/zeitungen/20180412320306287-flugabwehr-us-raketenschlag/

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